Die Verwendung von medizinischen Cannabisblüten, Cannabisarzneien und weiteren medizinischen cannabisbasierten Produkten hat sich in der Patientenversorgung etabliert. Cannabisextrakte stellen dabei eine Alternative zu Cannabisblüten dar, da sie eine standardisierte Wirkstoffkonzentration sowie eine einfache und diskrete Einnahme ermöglichen können.
In diesem Beitrag erfährst du, was Cannabisextrakte sind, wie diese angewendet werden und welche Besonderheiten Strain-spezifische Extrakte haben. Außerdem stellen wir dir einen pharmazeutischen Anbieter von Cannabisextrakten und dessen Sortenvielfalt vor.
Cannabisextrakte verstehen – was steckt in den wertvollen Tropfen?
Cannabisextrakte sind konzentrierte Zubereitungen aus der Cannabispflanze. Sie enthalten definierte Mengen bestimmter Pflanzenstoffe und können je nach Herstellungsverfahren unterschiedliche Cannabinoide, Terpene und weitere Bestandteile enthalten.
Entscheidend ist dabei vor allem, welches Ausgangsmaterial verwendet wird und wie der Extrakt hergestellt wurde. Beides beeinflusst die Zusammensetzung des fertigen Produkts.
Ein Extrakt ist ein konzentrierter Auszug, der aus Pflanzenmaterial gewonnen wird und beispielsweise als Lösung oder Öl vorliegen kann. Dabei werden bestimmte Bestandteile aus den Pflanzen herausgelöst und angereichert, um sie weiterzuverarbeiten oder anzuwenden. Bei Cannabis dient das Verfahren dazu, individuelle Cannabinoide und Terpene beziehungsweise ein breiteres Spektrum pflanzlicher Bestandteile zu extrahieren. Für diese Extraktion können unterschiedliche Extraktionsverfahren oder auch Auszugssubstanzen wie Alkohol verwendet werden. (5)
Die Bedeutung eines Vollspektrum Extraktes
Bei Cannabisextrakten bezieht sich die Bezeichnung Vollspektrum-Extrakt üblicherweise auf ein Produkt, das nicht nur ein Haupt-Cannabinoid wie THC (Tetrahydrocannabinol) oder CBD (Cannabidiol) enthält, sondern je nach Ausgangsmaterial und Herstellungsverfahren auch weitere Cannabinoide, Terpene, Flavonoide und andere Pflanzenstoffe enthalten kann.
Ein mögliches Zusammenspiel verschiedener Pflanzenstoffe wird als „Entourage-Effekt“ bezeichnet. Ob Cannabinoide und Terpene dadurch beim Menschen zuverlässig synergistische beziehungsweise therapeutisch vorteilhafte Wirkungen erzeugen, ist wissenschaftlich bisher nicht eindeutig belegt. Aktuelle Reviews bewerten die klinische Evidenz als begrenzt und sehen weiteren Forschungsbedarf. (1)
Häufiger Irrtum: „Vollspektrum“ bedeutet nicht automatisch, dass ein Extrakt stärker oder medizinisch wirksamer ist als ein Präparat mit einzelnen Cannabinoiden. Entscheidend sind unter anderem die konkrete Zusammensetzung, Wirkstoffkonzentration, Indikation und individuelle Verträglichkeit.
Pflanzenextrakten sind unter anderem wegen ihrer vergleichsweise genauen Dosierbarkeit sowie der unauffälligen und unkomplizierten Einnahme beliebt. Standardisierte Wirkstoffkonzentrationen können eine individuell angepasste Anwendung erleichtern. Bei oral angewendeten Cannabisprodukten setzt die Wirkung im Vergleich zur inhalativen Anwendung meist langsamer ein und kann länger anhalten. (2) Patient:innen, die wenig oder gar keine Berührungspunkte mit Cannabis hatten, haben häufig Bedenken oder Schwierigkeiten beim Umgang mit und der Anwendung von Blüten. Die Extrakte können hier eine leicht anwendbare Alternative sein.

Medizinische Cannabisextrakte
Medizinische Cannabisextrakte sind standardisierte cannabisbasierte Präparate, die definierte Konzentrationen von THC, CBD oder beiden Wirkstoffen enthalten. Strain-spezifische Produkte werden zusätzlich einem bestimmten Cannabis-Strain zugeordnet.
Werfen wir einen genauen Blick auf die Welt der Single Strain Extrakte am Beispiel des Sortiments, das Cannamedical Pharma zu bieten hat. Cannamedical Pharma ist ein pharmazeutischer Anbieter im Bereich Medizinalcannabis und hat unter anderem Strain-spezifische (sortenspezifische) Vollspektrum-Extrakte auf den Markt gebracht. Die Extrakte werden aus ausgewählten Strains hergestellt und stellen für Patient:innen eine Alternative zur Anwendung von Cannabisblüten dar. (4)
Die Produkte von Cannamedical Pharma werden unter pharmazeutischen Qualitätsstandards hergestellt. Bei verschiedenen Produkten kommt eine CO₂-Extraktion zum Einsatz. Mit diesem Verfahren lassen sich Cannabinoide und je nach Prozess weitere Pflanzenbestandteile aus dem Ausgangsmaterial gewinnen. Wie stark das ursprüngliche Terpenprofil im fertigen Extrakt erhalten bleibt, hängt jedoch vom konkreten Herstellungsverfahren und Produkt ab. (4) Aussagen zu Wirksamkeit und Nebenwirkungen lassen sich deshalb nicht allein aus der Bezeichnung Vollspektrum oder dem verwendeten Strain ableiten.
Single Strain Extrakte genauer erklärt
Das Angebot der verschiedenen Extrakte ermöglicht es den Ärztinnen und Ärzten, die Behandlung individuell an die Patient:innen anzupassen. Denn so unterschiedlich die Krankheitsbilder und deren Symptome sind, so unterschiedlich sind auch die Bedürfnisse und Empfindungen.
Cannamedical Pharma führt verschiedene Cannabisextrakte, darunter mehrere Produkte auf Basis definierter Strains. Die konkrete Produktpalette und Verfügbarkeit kann sich verändern. Einige Beispiele hierfür sind: (4)
- THC25 – El Jefe
- THC30 – Gorilla Zkittlez
- THC50 – Crazy Rntz
- THC50:CBD50 – Crazy Rntz
- THC10:CBD10 – Legendary Larry
- THC12,5:CBD12,5 – Strawberry Ice
- THC20: CBD5 – Tangie Chem
- THC20:CBD20 – Gelato Dream
Die Bezeichnungen dienen der schnellen und einfachen Orientierung. Gorilla Zkittlez THC30 bedeutet beispielsweise, dass der Extrakt aus dem Strain Gorilla Zkittlez hergestellt wurde und eine THC-Konzentration von etwa 30 mg/ml aufweist. Es handelt sich bei der Zahl somit nicht um eine Prozentangabe. Diese Angaben sind bedeutsam für die Auswahl der passenden Arznei. (4) Die Extrakte können nach Vorlage eines gültigen Rezeptes in den Apotheken erworben werden.
Einnahmemöglichkeiten
Cannabisextrakte können je nach Präparat oral oder oromukosal beziehungsweise sublingual eingenommen werden. Bei entsprechenden Produkten wird die verordnete Menge beispielsweise mithilfe einer Pipette angewendet. Die Anwendung und Menge müssen vorab mit dem begleitenden Arzt oder der Ärztin abgestimmt werden. Für die Eindosierungsphase wird die Anwendung ärztlich individuell festgelegt und bei Bedarf angepasst. (2)
Bei einer oromukosalen oder sublingualen Anwendung kann ein Teil der Wirkstoffe über die Mundschleimhaut aufgenommen werden. Ein weiterer Teil kann jedoch geschluckt und anschließend über den Verdauungstrakt aufgenommen werden. Deshalb lässt sich nicht pauschal sagen, dass THC und andere Cannabinoide bei dieser Einnahme den Verdauungstrakt vollständig umgehen. Pharmakokinetik, Wirkungseintritt und Wirkdauer hängen unter anderem vom Präparat und der Art der Anwendung ab. (2)
Checkliste:
Wichtige Merkmale bei medizinischen Extrakten sind:
• THC- und CBD-Konzentration
• verwendeter Strain
• Vollspektrum oder isolierte Wirkstoffe
• Herstellungsverfahren
• vorgesehene Darreichungsform
Weitere Informationen über die speziellen Cannabisextrakte kannst du der Webseite von Cannamedical Pharma entnehmen.
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Therapeutische Anwendungsmöglichkeiten
Cannabis und Cannabinoide werden bei unterschiedlichen Beschwerden medizinisch eingesetzt oder wissenschaftlich untersucht. Die Evidenz unterscheidet sich jedoch deutlich nach Wirkstoff, Präparat und Erkrankung. Ergebnisse zu einzelnen Cannabinoiden oder zugelassenen cannabinoidhaltigen Arzneimitteln lassen sich nicht automatisch auf jedes Vollspektrum-Cannabisextrakt übertragen. (3)
Gut untersucht sind unter anderem bestimmte Formen chronischer Schmerzen, Spastik bei Multipler Sklerose, chemotherapiebedingte Übelkeit sowie einzelne Epilepsiesyndrome. Für andere Beschwerden ist die Evidenz deutlich begrenzter oder noch uneinheitlich.
- Schmerzen: Bestimmte cannabinoidhaltige Arzneimittel können bei einigen Formen chronischer Schmerzen zu einer moderaten Linderung beitragen. Die Wirksamkeit hängt vom Präparat und vom jeweiligen Beschwerdebild ab. (3)
- Entzündungshemmung: Für Cannabinoide werden entzündungsmodulierende Eigenschaften untersucht. Für entzündliche Erkrankungen wie Rheuma oder entzündlichen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn sind weitere Studien nötig, bevor sich diese Präparate allgemein zur Behandlung der Grunderkrankung empfehlen lassen.
- Übelkeit und Erbrechen: Bestimmte Cannabinoide werden bei chemotherapiebedingter Übelkeit und Erbrechen eingesetzt. Die Daten beziehen sich überwiegend auf definierte cannabinoidhaltige Präparate und nicht auf Extrakte allgemein. (3)
- Appetitanregung: THC beziehungsweise THC-haltige Arzneimittel können den Appetit beeinflussen. Der medizinische Nutzen hängt von der Erkrankung und dem eingesetzten Präparat ab. (3)
- Schlafstörungen: Bestimmte cannabinoidhaltige Präparate können bei einigen Patient:innen sekundäre Schlafbeschwerden beeinflussen. Die Evidenz ist abhängig von Präparat und Ursache der Schlafstörung. Weitere Informationen findest du unter Schlafstörungen helfen. (3)
- Krampfanfälle: Für pharmazeutisch aufbereitetes CBD gibt es eine gute Evidenz bei bestimmten schweren Epilepsiesyndromen, darunter das Lennox-Gastaut-Syndrom. (3)
- Angst und Stress: CBD wird hinsichtlich möglicher Effekte auf Angstzustände untersucht. Für eine allgemeine Empfehlung dieser Extrakte bei Angst oder Stress ist die Datenlage noch nicht ausreichend. (3)
- Neurologische Erkrankungen: Bei Multipler Sklerose können bestimmte THC/CBD-haltige Präparate Symptome wie Spastik bei einigen Patient*innen reduzieren. Für andere neurologische Erkrankungen wie Parkinson ist die Evidenz je nach Symptom und Präparat deutlich begrenzter. (3)
- Posttraumatische Belastungsstörung und Depressionen: Cannabinoide werden auch bei psychiatrischen Symptomen wissenschaftlich untersucht. Für Depressionen oder PTBS besteht derzeit jedoch keine ausreichende Evidenz, um Cannabisextrakte allgemein als Behandlung zu empfehlen. (3)
- ……
Fazit
Medizinische Vollspektrum-Extrakte können für Patient:innen eine einfach anzuwendende Alternative zu Cannabisblüten darstellen. Strain-spezifische Cannabisextrakte werden aus definierten Cannabissorten hergestellt und enthalten standardisierte Konzentrationen der angegebenen Hauptcannabinoide. Je nach Herstellungsverfahren können zusätzlich weitere Bestandteile der Ausgangspflanze enthalten sein.
Ein bestimmtes Terpenprofil oder ein klinischer Vorteil durch den sogenannten Entourage-Effekt lässt sich daraus jedoch nicht automatisch ableiten. Ebenso unterscheiden sich Wirkung, Wirkungseintritt, Wirkdauer und Nebenwirkungen je nach Produkt, Zusammensetzung, Anwendung und Patient:in. Cannabisextrakte sind damit eine etablierte Darreichungsform innerhalb der medizinischen Cannabistherapie, deren Auswahl und Anwendung individuell ärztlich begleitet werden sollte.
Medizinischer Disclaimer
Die Inhalte dieses Beitrags dienen ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzen keine medizinische Beratung. Bei gesundheitlichen Beschwerden oder Fragen zur Anwendung von Cannabis sollte immer ärztlicher Rat eingeholt werden.
FAQ
7 FragenCannabisextrakte sind konzentrierte Zubereitungen aus der Cannabispflanze. Sie enthalten definierte Mengen an Cannabinoiden wie THC und CBD und können je nach Produkt weitere Pflanzenbestandteile enthalten.
Als Vollspektrum-Cannabisextrakt werden üblicherweise Extrakte bezeichnet, die neben THC oder CBD weitere Inhaltsstoffe der Cannabispflanze enthalten. Ein therapeutischer Zusatznutzen durch das Zusammenspiel dieser Stoffe ist wissenschaftlich bislang nicht eindeutig belegt.
Strain-spezifische beziehungsweise Single-Strain-Extrakte werden aus einem bestimmten Cannabis-Strain hergestellt. Die Sorte des Ausgangsmaterials allein erlaubt jedoch keine sichere Vorhersage der individuellen medizinischen Wirkung.
Die Anwendung hängt vom jeweiligen Präparat ab. Sie können beispielsweise oral oder oromukosal beziehungsweise sublingual angewendet werden. Die genaue Anwendung richtet sich nach der ärztlichen Verordnung.
Ja. Medizinalcannabis ist in Deutschland verschreibungspflichtig und darf grundsätzlich nach ärztlicher Verschreibung über Apotheken abgegeben werden. Seit dem 1. April 2024 ist für Medizinalcannabis grundsätzlich kein Betäubungsmittelrezept mehr erforderlich.
Beide können verschiedene Cannabinoide und weitere Pflanzenbestandteile enthalten. Der wesentliche Unterschied liegt in der Darreichungsform: Blüten werden als pflanzliches Ausgangsmaterial verwendet, während ein Vollspektrum-Extrakt eine verarbeitete, flüssige Zubereitung mit definierter Wirkstoffkonzentration ist. Wirkungseintritt und Wirkdauer können sich je nach Anwendung unterscheiden.
Die möglichen Nebenwirkungen hängen vor allem von den enthaltenen Cannabinoiden, ihrer Konzentration, der angewendeten Menge und der Darreichungsform ab. Aus der Strain-Spezifität allein lässt sich nicht ableiten, dass ein Extrakt mehr oder weniger Nebenwirkungen verursacht als Cannabisblüten.
